Herausforderungen moderner Stadtplanung und Stadtentwicklung14.04.16

Die Städte und ihr Umland wachsen. Gleichzeitig verändert sich unsere Gesellschaft. Sie wird zum Beispiel älter, traditionelle Familienverbände brechen auf und auch soziokulturell ist das Leben in größeren Städten meist ein ganz anderes als in ländlichen Regionen und Kommunen.

Diese Entwicklung bedeutet neue Herausforderungen für eine moderne Architektur, Stadtplanung und Stadtentwicklung. Auch künftig möchten Menschen in der Stadt ein gutes Leben führen können. Und es werden immer mehr. Das Thema „nachhaltige Stadtentwicklung“ rückt daher nun noch stärker in den Fokus von Frey Architekten. Denn der Architekt muss hier bei seiner Planung weit über das einzelne Immobilienobjekt hinausdenken und mit Stadtplanern, Verwaltung, Entwicklungsgesellschaften und Investoren zielgerichtet zusammenarbeiten.

Nachhaltiges Bauen in der Stadt bedeutet eine Planung über Disziplinen hinweg. Durch die Gründung der „Gesellschaft für urbane Entwicklung mbH“ (GuE) schaffen wir gerade den Zusammenschluss des benötigten Expertenwissens. Architekten, Planer und Berater aus den Bereichen soziale und ökologische Architektur, Verkehrsplanung, Sozioökonomie, Raumplanung, Politik und Finanzierung werden hier zusammenarbeiten und Städte dabei unterstützen, zukunftsorientierte und nachhaltige Lösungen für die Stadtentwicklung zu erarbeiten und umzusetzen. Weitere Informationen zur GuE geben wir in Kürze bekannt.

Doch schauen wir uns nun erst einmal die Ausgangslage an.

Die Zukunft findet „Stadt“: Immer mehr Menschen leben in Städten

Die Weltbevölkerung ist in Bewegung und wächst bis 2030  laut einer Prognose der UN auf  9,5 Milliarden Menschen an. Weltweit zieht es immer mehr Menschen in die Städte. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Städten und 2030 werden wir eine urbane Weltbevölkerung von etwa 60 % haben. Dies entspricht einer Verdoppelung seit den 1950er Jahren. Die meisten Menschen werden dann sogenannte Städter sein.

Eine ähnliche Entwicklung ist auch in Deutschland zu beobachten und für die Zukunft gehen viele Experten von einer Verschärfung der Situation aus. Zwar wird hierzulande die Einwohnerzahl voraussichtlich sinken, die Urbanisierung steigt jedoch ebenfalls an.

Besonders vor dem Hintergrund des demographischen Wandels entstehen so neue Anforderungen an Stadt- und Regionalplanung. „Das Land blutet aus, die Metropolen wachsen“ betitelt die Zeitschrift „Die Welt“ im Juli 2015 einen Artikel und visualisiert dies sehr anschaulich mit einer Deutschlandkarte auf Basis von Prognosedaten der Bertelsmann Stiftung.

Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. Wachstum der Städte...

Infografik: Welt.de

 

Hierauf erkennt man deutlich, wie bis 2030 die Einwohnerzahlen in den Metropolregionen steigen, während die ländlichen Regionen erkennbar verlieren. Allein die drei Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg können zum Beispiel mit einem Bevölkerungszuwachs von insgesamt 480.000 Menschen rechnen – trotz schrumpfender Einwohnerzahlen in Deutschland.

Hinzu kommt die in jüngster Zeit stark gestiegene Zuwanderung von Migranten im Rahmen der aktuellen Flüchtlingsproblematik. Auch hier lässt sich eine Konzentration der Zuwanderung vor allem in Ballungsräume, Großstädte und mittelgroße Zentren beobachten. Die Anforderungen an die Infrastruktur der Städte und den Wohnungsmarkt steigen damit weiter.

Die Zukunft findet „Stadt“: Die Menschen träumen von einem schönen Leben in der Stadt.

Ein Leben in der Stadt bietet durchaus Vorteile: Ökonomisch betrachtet sehen viele Zukunftsforscher die Chancen einer fortschreitenden Urbanisierung in höherer Produktivität, Innovationskraft und sinkenden Allgemeinkosten pro Anwohner. Für den einzelnen Bürger kann Stadt bedeuten: praktische Einkaufsmöglichkeiten, die Nähe von Schulen, Kindergärten und Arbeitsplätzen, das vielfältige kulturelle Angebot, die gute medizinische Versorgung und der gute Anschluss ans Verkehrsnetz. All das zieht Menschen in die Stadt.

Dem gegenüber stehen die Herausforderungen an eine nachhaltige Planung: Hoher Flächenverbrauch in den Ballungsräumen, knapper Wohnraum, dichter werdender Verkehr, zunehmende Umweltbelastungen und die Vielfalt der Lebensumstände zwischen verschiedenen Bevölkerungsschichten drohen den Handlungsspielraum der Stadtplanung einzuengen.

Stadtplanung und Verkehr

So erfordert beispielsweise der Klimawandel einen nachhaltigen Städtebau mit autofreien Siedlungen und Niedrigenergiehäusern, im Verkehr sind Energie sparende technische Innovationen erforderlich, ebenso wie bei der Energieversorgung generell, indem z.B. Stromerzeugung und Verbrauch durch intelligente Stromnetze und Gerätesteuerung optimiert werden.

Aufbrechenden Familienverbänden und einer älter werdenden Bevölkerung in der Stadt können neue Wohnkonzepte und Formen nachbarschaftlichen Zusammenlebens entgegengestellt werden. Auch dies lässt sich durch gezielte Planung und Gestaltung des Lebensraumes beeinflussen, wie eigene Projekte von Frey Architekten zeigen (vgl. z.B. Heidelberg Village, Smart Green Tower, Seniorenwohnanlage Schwanenhof)

Moderne Stadtplanung und urbane Architektur: integrativ, ökonomisch, ökologisch und sozial

Angesichts der oben beschriebenen Rahmenbedingungen ist ein integrierter Ansatz von Architektur und Stadtplanung zwingend notwendig. Es ist das oberste Gebot, einen energetisch ausbalancierten Lebensraum „Stadt“ zu schaffen, der gleichzeitig die sozialen Bedürfnisse der Menschen ebenso wie die ökonomischen Rahmenbedingungen berücksichtigt. Alle Einzelmaßnahmen, egal ob infrastrukturell, gebäudetechnisch, verkehrsbezogen, energetisch oder sozial indiziert, dürfen sich gegenseitig weder ausschließen noch nachhaltig negativ beeinflussen.

Verkehr

Während im ländlichen Raum die Verkehrsströme voraussichtlich abnehmen werden, ist in den Städten eine weitere Zunahme der Verkehrsleistung sowohl im Personen- wie im Güterverkehr zu erwarten. Dies wird die Städte vor weitere Herausforderungen stellen, insbesondere da nach wie vor von steigendem Aufkommen im motorisierten Individualverkehr (MIV) auszugehen ist.

Eine Reduktion des CO2-Ausstoßes bei Kraftfahrzeugen, intelligente Konzepte zur Verkehrsführung sowie der stärkere Ausbau von öffentlichen Verkehrsangeboten und Möglichkeiten einer kombinierten Nutzung verschiedener Verkehrsmittel, z.B. von Kfz, Fahrrad und ÖPNV, können dem begegnen.

Soziales Engagement

Allgemein ist in unserer Gesellschaft seit Jahrzehnten ein Aufbrechen traditioneller Familienverbände zu beobachten. Gerade in größeren Städten kommt ein Trend zur Anonymisierung hinzu. Oftmals kennen sich hier selbst Nachbarn nicht untereinander oder pflegen nur einen sehr losen Kontakt. Die Folgen sind Vereinsamungstendenzen und vor allem bei Älteren oder pflegebedürftigen Menschen in den Großstädten eine schwierige Versorgungssituation, welche sich allein durch professionelle Angebote nur schwer kompensieren lassen wird.

Stadtentwicklung und das Konzept der Nachbarschaft

Hierzu bietet sich eine Wiederbelebung des Konzeptes von Nachbarschaft bzw. regionaler Solidargemeinschaft im urbanen Umfeld an. Regionalität und Nähe können auch in der Großstadt das Bedürfnis des Menschen nach sozialen Kontakten erfüllen, die Versorgung hilfsbedürftiger Menschen in der Stadt unterstützen und gleichzeitig sinnstiftend sein.

Stadtplanung und Architektur können und müssen dies unterstützen. Maßnahmen hierzu sind eine geeignete räumliche Gestaltung von Flächen und Gebäuden ebenso wie organisiertes Nachbarschafts-Management, das eine Quartierbildung in der Stadt gezielt fördert und der frühzeitig Einbezug der Anlieger in die Planung. Stichwort: Bürgerbeteiligung.

Frey Architekten beschäftigen sich seit vielen Jahren intensiv mit sozialer Architektur und aktivem Nachbarschafts-Management. Unter anderem haben wir hierfür das „pro scholare“-Prinzip entwickelt und in verschiedenen Architekturprojekten umgesetzt. Als erstes Modell-Projekt von „pro-scholare“ errichteten Frey Architekten 2010 ein integratives Wohnobjekt mit 82 Wohnungen und verschiedenen gewerblich genutzten Einheiten im Freiburger Stadtteil Rieselfeld.

Wohnen und Arbeiten

Noch im 18. Jahrhundert fand für viele Familien Wohnen und Arbeiten an einem Ort statt. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert änderte sich dies für das Gros der Bevölkerung. Wohnen und Arbeit ist bis heute für die meisten Menschen in Deutschland räumlich getrennt. Einhergehend mit größerem Flächenbedarf, Verkehrsflüssen und Ressourcenverbrauch.

Städte müssen mit diesen Herausforderungen umgehen, wobei grundsätzlich die funktionale Gliederung der Cities mit ihrer räumlichen Trennung von Arbeiten, Wohnen, Einkaufen und Kultur als eine Fehlentwicklung des vergangenen Jahrhunderts angesehen werden darf. Die Folge: Breitspurige Straßen und Verkehrstrassen zerschneiden den Raum, um die Menschenmassen zwischen den Orten im Umland oder monotonen Wohnquartieren am Stadtrand, Gewerbegebieten und sterilen Innenstädten hin und her zu schicken.

Mit der zunehmenden Digitalisierung bietet sich nunmehr die Chance für Teile der Bevölkerung wieder eine stärkere räumliche Konzentration von Wohnen und Arbeit zu ermöglichen. Angebote für Telearbeit und Home-Office sind in vielen Berufen bereits verbreitet.

Telearbeit und Home Office - Arbeiten und Wohnen in der Stadt der Zukunft

Angesichts wachsender Einwohnerzahlen in den Städten werden Flächenverbrauch und Verkehrsbelastung dennoch steigen. Hier sind neue Konzepte gefragt, die Mobilität mit einem Maximum an Individualität und einem Minimum an Emissionen und Flächenverbrauch verbinden. Sowohl im Verkehr als auch in der Gebäudeinfrastruktur sind Energieeffizienz, Nutzung erneuerbarer Energien und geschlossene Ressourcenkreisläufe erforderlich. Neue Planungs-, Steuerungs- und Wertschöpfungsmodelle müssen erforscht und erprobt werden, die gleichzeitig zuverlässig und so wandlungsfähig wie möglich sein müssen.

Energie, Klima und Ressourcen

Wer Energie und Ressourcen sparen sowie das Klima und die Umwelt schützen möchte, fängt damit am besten in den Städten an. Hier lebt nicht nur bereits heute die Hälfte der Weltbevölkerung, hier werden auch drei Viertel der global erzeugten Energie verbraucht und 80 Prozent der menschengemachten Treibhausgase produziert.

Oben angesprochene Konzepte zur Verkehrsinfrastruktur, funktionalen Gliederung der Städte und Gebäudenutzung helfen Ressourcen zu sparen. Hinzu kommen auf Gebäude-Ebene eine gezielte Auswahl von Baustoffen nach ökologischen Gesichtspunkten, Energie sparende Maßnahmen z.B. zur Wärmedämmung sowie die Nutzung der Gebäudehüllen zur Energieerzeugung, z.B. durch Photovoltaik.

Der Verbund von Gebäude mit intelligenten Energienetzen und eine zeitlich optimierte Energienutzung bergen weitere Potenziale, um einen höheren Wirkungsgrad der Energienutzung zu erreichen und gleichzeitig den Bedarf an nichtregenerativer Energieerzeugung zu senken.

Mit dem neuartigen Energiekonzept vom Smart Green Tower bieten Frey Architekten einen konkreten Lösungsansatz hierzu und verbinden dies mit der Vision des künftigen Smart Energy Districts, in dem ein Verband aus mehreren Objekte intelligent zusammenarbeitet und eine autarke Energieversorgung mit regenerativen Energie im Stadtquartier ermöglicht.