Wenn chinesische und badische Geschichte aufeinander treffen08.05.17

Freiburg, 08. Mai 2017 – Im 15. Jahrhundert erklärte der Kaiser der Ming-Dynastie Peking zur neuen Hauptstadt Chinas, in Freiburg wurde durch Erzherzog Albrecht VI. einer der ältesten Universitäten Deutschlands gegründet. Zwei Orte und Geschichten, die auf dem ersten Blick unterschiedlicher nicht sein können, doch auf dem zweiten Blick ihre erwähnenswerten Gemeinsamkeiten offen legen.

Zhu Qingyuan, kaiserlicher Nachkomme aus der chinesischen Ming-Dynastie (1368–1644), ist einer der Pioniere für die grüne Zukunft der Volksrepublik China. In seinen Projekten besteht der Bauherr und Investor auf deutschen Passivhausstandard und den Einsatz von umweltfreundlichen Materialien. Gemeinsam mit der Frey Gruppe, federführend durch Architekt und Stadtplaner Wolfgang Frey, baut er das erste Passivhaus-Kindergarten Chinas.

v.l.n.r.: Herr Xu (Experte für Passivhaus und nachhaltiges Bauen aus China), Herr Zhu (chinesischer Bauherr und Investor), Frau Reinbold-Mench (Bürgermeisterin von Freiamt), Frau Reinbold (Inhaberin vom Traditionscafé „Traudels Café“) und Wolfgang Frey

Zur Förderung der deutsch-chinesischen Beziehungen und zum Wissensaustausch stattete Zhu Qingyuan Süddeutschland einen Besuch ab, um mit Fachplanern, Gemeinden, städtischen Institutionen und nachhaltigen Akteuren zu sprechen. Nach einer Besichtigung im Heidelberg Village im Herzen der größten Passivhaussiedlung der Welt, wurde er in Freiamt von Bürgermeisterin Hannelore Reinbold-Mench empfangen, die den Besuchern die energieautarke Gemeinde vorstellte. Die Gemeinde produziert mit rund 20 Millionen kWh im Jahr sowohl im Sommer als auch im Winter einen Energieüberschuss durch eigene Biogasanlagen, Wind, Wasser- und Solarenergie.

Am Folgetag führte Harald Lotis, Bürgermeister von Bahlingen, Herr Zhu und weitere Gäste durch die Wohnanlage Bahlingen. Dort wird seit über 10 Jahren integratives und generationsübergreifendes Wohnen mit Inklusion ermöglicht. Das Zusammenleben der Generationen spielt ebenfalls in China eine zentrale Rolle, die heutzutage durch wechselnde Arbeitsplätze und schnelllebige Moderne erschwert wird. Wohnformen wie in Bahlingen zeigen Möglichkeiten sich dem Verfremden der Generationen entgegen zu setzen und die Achtsamkeit auf Mitmenschen und Umwelt zu stärken. Ein weiteres Vorzeigeprojekt für gesellschaftliche Themen stellte Eichstettens Altbürgermeister Gerhard Kiechle im Schwanenhof und Adlergarten vor. Dort befindet sich ebenfalls das integrative Café Mitnander, das Menschen mit körperlichen Behinderungen beschäftigt.

Gruppenfoto mit Bürgermeister von Bahlingen Herr Lotis vor dem Rathaus

Mit Altbürgermeister von Eichstetten Herr Kiechle im integrativen Café „Mitnander“

„Überdachungen, umlaufende Balkone und vertikale Holzbalken. Meine Urgroßväter haben diese Häuser im Schwarzwald so gebaut, weil sie sich dem hiesigen Klima optimal anpassen.“, erzählt Architekt und Stadtplaner Wolfgang Frey vor einer der Schwarzwaldhäuser, die seine Urgroßväter errichtet haben und bis heute im optimalen Zustand sind. „Das sieht aus wie in der Verbotenen Stadt meiner kaiserlichen Vorfahren.“, erwähnt Herr Zhu beeindruckt. „Das sind dieselben Merkmale“. Ob im Schwarzwald oder im Reich der Mitte – die Geschichte zeigt, dass der bewusste Umgang mit örtlichen Begebenheiten wie Klima und Ressourcen ein entscheidender Faktor im nachhaltigen Handeln ist.

Die Universitätsstadt Freiburg diente als Abschluss der informativen Reise von Herrn Zhu. Die Green City machte sich international unter anderem mit den Vorzeige-Stadtteilen Vauban und Rieselfeld einen Namen und zieht jährlich über 1,4 Millionen Besucher aus aller Welt an.

In Freiburg gilt für neue Wohngebäude der Effizienzhausstandard 40 und 60, die zum Freiburger Effizienzhausstandard 55 zusammengeführt wurden. Dies entspricht einem KfW-Effizienzhaus 55, (EnEV2014), wo der Primärenergiebedarf von 55 % und der spezifische Transmissionswärmeverlust von 70 % der jeweiligen Anforderungswerte nicht überschritten werden dürfen. Die Entscheidung der hiesigen Politik ist eine Vorbildfunktion, die Herr Zhu mit nach China nehmen möchte.