Broschüre: Leben und Wohnen im Alter18.04.16

Mit einem Leitfaden gibt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) Praxisbeispiele und Handlungsempfehlungen für ein selbstbestimmtes und bedarfsgerechtes Wohnen im Alter. Er ist im Rahmen des Modellprogramms „Neues Wohnen – Beratung und Kooperation für mehr Lebensqualität im Alter“ entstanden und kann kostenlos bezogen bzw. im Internet heruntergeladen werden. Folgend ein kurzer Überblick.

Unsere älter werdende Gesellschaft verlangt nach neuen Lösungen für ein selbstbestimmtes und qualitativ hochwertiges Leben und Wohnen im Alter. Die soziale Architektur ebenso wie Politik und Pflege beschäftigen sich intensiv mit entsprechenden Lebenskonzepten und neuen Wohnformen, die dem Rechnung tragen und auch die Wünsche der Menschen berücksichtigen.

Ein Teil der Bevölkerung möchte auch im Falle von Hilfe- und Pflegebedürftigkeit weiter in der vertrauten Wohnung leben können. Andere interessieren sich hingegen für eine Veränderung des Wohnumfeldes und der Wohnform, als Alternative zum Seniorenheim oder zum Leben alleine in der bisherigen Wohnung.

Der Leitfaden des BMFSFJ greift beide Optionen auf. Er beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, die eigene Wohnung und das Wohnumfeld altersgerecht zu gestalten. Und er beleuchtet das vorhandene Spektrum an Wohnalternativen und Anpassungsmöglichkeiten, die zum Teil in der Bevölkerung wenig bekannt sind, obwohl der Bedarf groß ist.

Hierbei will der Leitfaden auch konkrete Anregung und Hilfestellung zum Handeln geben. Sie erhalten Informationen darüber, wie Sie Hürden überwinden können, wie Sie sich selbst aktiv einbringen können und wo Sie Unterstützung erhalten können:

  • Was gibt es?
  • Was kann ich selber tun?
  • Wo finde ich Hilfe?

Beispiele aus der Praxis illustrieren die Handlungsoptionen.

Wohnen im Alter in der bisherigen Wohnung

Im ersten Teil stellt der Leitfaden Möglichkeiten zum Verbleib in der eigenen Wohnung vor, weist auf Schwierigkeiten hin und stellt Lösungsvorschläge vor. Diese betreffen sowohl die eigene Wohnung als auch das Wohnumfeld.

Eine wichtige Rolle spielt hierbei natürlich die altersgerechte Gestaltung der eigenen Wohnung, um zum Beispiel ein barrierefreies Wohnen zu ermöglichen. Anhand von Beispielen wird dies vorgestellt und gleichzeitig Hilfestellung für die eigene Lebensraumgestaltung gegeben. So erhalten Sie unter anderem Hinweise auf Handwerkernetzwerke, Kontaktstellen und auch zur Finanzierung und Förderung.

Möchte man im Alter – und gerade bei Hilfs- bzw. Pflegebedürftigkeit – in der eigenen Wohnung wohnen bleiben, reicht es meist jedoch nicht aus, nur die Wohnung selbst umzubauen. Für ein möglichst aktives und erfüllendes Leben kommt auch dem Wohnumfeld große Bedeutung zu. Und nicht immer ist dieses für ältere Menschen ideal gestaltet.

Anhand von Beispielen wie dem Louisenhofsteg – Initiative „Aktive Stadtteilentwicklung“ in Hamburg, dem barrierefreien Bahnhof Gladbeck oder dem Bürgerbus Landkreis Oberhavel zeigt der Leitfaden auf, worauf es bei einem altersgerechten Wohnumfeld ankommt. Er geht auf die notwendige Planung und Gestaltung innerstädtischer Lebensräume ein, die eine barrierefreie Wegegestaltung und ausreichende ÖPNV-Versorgung sicherstellen muss, zeigt die Bedeutung von Begegnungs- und Aktivräume sowie einer ausreichenden Nahversorgung auf und gibt auch konkrete Hinweise, wie Sie aktiv Mitwirken und Einfluss nehmen können, zum Beispiel durch Ansprache von Kommunen und weiteren kommunalen Akteuren.

Schließlich widmet sich der Leitfaden in Bezug auf das Wohnen in der eigenen Wohnung auch der im Alter wichtigen Unterstützung zu Hause. Wie lassen sich Einkaufshilfen, Hauswirtschaftshilfen, Begleit- und Besuchsdienste, betreutes Wohnen zu Hause, Notrufsicherung und Pflegedienste organisieren? Beispiele wie die Haushalts-Engel in Rheinland-Pfalz oder Simba – Betreutes Wohnen zu Hause in München-Germering illustrieren dies und werden auch durch ein Umdenken im Zusammenleben möglich. Neben professionellen Pflege und Betreuungsangeboten kommt hierbei der Nachbarschaftshilfe und ehrenamtlichem Engagement große Bedeutung zu.

Alternative Wohnmöglichkeiten im Alter

Im zweiten Teil widmet sich der Leitfaden Wohnalternativen außerhalb der bisherigen Wohnung. Denn oftmals leben Familien heutzutage nicht mehr Familienverband und bei vielen älteren Menschen entsteht dadurch der Wunsch (oder auch der Zwang) zur Veränderung. Sie wählen beispielsweise gemeinschaftliche Wohnformen mit anderen älteren Menschen oder im Generationenmix: „Wenn Sie sich im Alter noch einmal verändern wollen oder verändern müssen, weil sich Ihr Gesundheitszustand verschlechtert hat oder Sie einfach noch einmal Lust dazu haben, eine Veränderung einzugehen, steht Ihnen eine Reihe von Alternativen zur Verfügung. Im Folgenden finden Sie Hinweise, welche Wohnkonzepte das sind und welche Chancen und Risiken mit Ihnen verbunden sind.“

Der Leitfaden stellt hierzu verschiedene Konzepte als Alternative zum Wohnen im Seniorenheim vor, wie das gemeinsame Wohnen im Generationenmix am Beispiel von „Wohnen Plus – Alte, Alleinerziehende und Kinder in Nürnberg“, das Wohnen in Wohnanlagen für betreutes Wohnen ohne umfassendes Pflegeangebot und betreute Wohn- und Hausgemeinschaften für Pflegebedürftige. Darüber hinaus gibt er auch Tipps zur Organisation und zum Aufbau eigener Projekte und dokumentiert dies am Beispiel von „Nascha Kwartihra“, der Gründung einer Pflegewohngemeinschaft mit Unterstützung aus der Wohnungswirtschaft in Köln.

Im Anhang finden Interessierte dann weitere nützliche Informationen wie einen Überblick über die DIN-Vorschriften für barrierefreies Bauen und Wohnen und Hinweise für die barrierefreie Gestaltung von Außenanlagen.

Weitere Informationen und Download: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/publikationen,did=131590.html

Tag-It: Wohnen im Alter, soziale Architektur, Stadtplanung, Regionalplanung, Pflegewohngruppen, Senioren, demographischer Wandel, Generationenmix, Mehrgenerationenhaus, Wohngemeinschaft, Pflege, Bauen und Wohnen, barrierefrei