Gastbeitrag Wolfgang Frey in der Kontext Wochenzeitung11.02.15

Wyhler Sternstunden:

Wolfgang Frey war zwölf, als er gegen das Atomkraftwerk in Wyhl demonstrierte. Heute ist er ein weltbekannter Architekt, der sich dem ökologischen und energiesparenden Bauen verschrieben hat. In seinem Beitrag erinnert sich Frey an den Protest vor 40 Jahren.

Gastautor Wolfgang Frey Wyhler Sternstunden Kontext Wochenzeitung

Protestplakat, 1975.

Als Kind habe ich auf den Baustellen meines Vaters krumme Nägel gesammelt und wieder geradegeklopft. Wir sind für Vergeudung gescholten worden. Es war der Tendenz nach immer eher dunkel und kalt als hell erleuchtet und oder gar überheizt. Mein Vater hat viele Häuser saniert und gebaut, aber irgendwann hielt bei uns in der Region in gewissen Kreisen die Erkenntnis Einzug, dass Einfamilienhaus-Besitzer, die etwas auf sich halten, einen Swimmingpool brauchen. Das war eine Torheit, aber das haben wir damals nicht gewusst und nicht gesehen. Öl war so billig, dass diese widersinnige Verwendung kein Thema war. Also wurde umgebaut, einen 45 000-Liter-Öltank inklusive.

Was für mich eine ganz handfeste Konsequenz hatte. Ich wollte eine Werkstatt im Keller und bekam ein kleines Eck. Der Tank aber hatte eine Grundfläche von fünf auf sieben Meter. Unvorstellbar. Als alles fertig war, haben sich meine Eltern an den Kopf gegriffen. Immerhin, könnte man heute sagen, denn andere waren noch längst nicht so weit. […]