Von der (Un-)Möglichkeit nachhaltigen Bauens in China10.07.14

Unter diesem Titel berichtete Wolfgang Frey auf Einladung des Konfuzius-Instituts heute in Freiburg über seine persönlichen Erfahrungen als Architekt im Land der Mitte. In rasantem Tempo hat sich China zu einer der führenden Wirtschaftsmächte weltweit entwickelt. Nicht ohne Preis. Massive Umweltprobleme in vielen Städten sind nur eine von zahlreichen Herausforderungen, denen sich der Staat stellen muss. Ein Umdenken scheint zwingend geboten.

konfuzius institut freiburg vortrag wolfgang frey konfuzius institut freiburg vortrag wolfgang freyDas erkennen auch mehr und mehr Entscheidungsträger an. So berichtete die Wirtschaftswoche im März dieses Jahres beispielsweise, die Regierung in Peking habe angekündigt, statt der bisher veranschlagten 15 Gigawatt Solarleistung bis 2015 rund 21 Gigawatt installieren zu wollen und China gilt mittlerweile als einer der größten Märkte für erneuerbare Energie. Ebenso investiert China intensiv in Aufforstungsflächen.

Auch die Architektur kann eine maßgebliche Rolle spielen beim Umbau der chinesischen Gesellschaft mit Kurs Nachhaltigkeit – das ist die feste Überzeugung von Wolfgang Frey. Vor allem dann, wenn Gebäude nicht nur unter ästhetischen und ökonomischen Gesichtpunkten geplant, entwickelt und realisiert werden, sondern wenn ebenso strenge ökologische und soziale Maßstäbe angelegt werden. Dies trifft im gleichen Maß auch für die Stadtraumentwicklung zu.

Chinas Verantwortliche definieren bereits heute hohe energetische Anforderungen an die Architektur. Diese stoßen nach den Erfahrungen Wolfgang Freys in der Praxis jedoch schnell an ihre Grenzen, wenn die „Basis“ außen vor gelassen werde. „Projektentwickler und -umsetzer ebenso wie die Menschen, die in Gebäuden und Städte der Zukunft leben sollen, müssen von den Vorteilen nachhaltiger Planungen überzeugt werden“, nannte der Architekt eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen.

Ein weiteres Hindernis sieht Wolfgang Frey darin, dass neue Technologien und innovative Bauprojekte aus Europa und insbesondere Deutschland in China per se ein sehr positives Image genießen. Dies berge eine große Gefahr. Denn nicht immer sei es möglich, als vorbildlich eingeschätzte Projekte aus der Ferne in der nötigen Tiefe auf ihre Nachhaltigkeit hin zu beurteilen. Wolfgang Frey mahnte daher die besondere Verantwortung an, die gerade auch deutsche Projektentwickler, Bauträger und Architekten in ihrem unternehmerischen Handeln in und mit China haben.

Dies bedeute auch, sich von rein optikdominierter Architektur zu verabschieden und wieder den Bezug zu historischer Baukultur herzustellen, in der Gebäude über Jahrzehnten und Jahrhunderte hinweg optimal an die Standortbedingungen vor Ort angepasst wurden.

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